D A S K U L T B U C H
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Luke Rhinehart - DER WÜRFLER
Roman (ISBN: 978-3-89812-632-8)
Preis 14,90 €
N E U A U F L A G E D E S B U C H E S
September 2009 beim Mitteldeutschen Verlag
Inhalt: Der erfolgreiche New Yorker Psychiater Luke Rhinehart ist mit einer hübschen Frau verheiratet, hat 2 wunderbare Kinder und einen großen Freundeskreis. Trotz seines beachtlichen beruflichen und privaten Ansehens und Erfolges ödet ihn sein Leben immer mehr an, da er allmählich schon am Morgen weiss, wie der Tag enden wird. Seines biederen Daseins überdrüssig sehnt er sich danach, wieder Spannung in sein Leben zu bekommen. In diesem Stadium entdeckt er eines Tages den Würfler in sich. Als er nach einem Pokerabend mit Kollegen aufräumt, sieht er, dass sich ein Würfel unter der Pik-Dame versteckt hat. Und plötzlich kommt ihm der Gedanke, dass er mit seiner Nachbarin Arlene (und Frau seines Kollegen) schlafen wird, wenn der Würfel eine 1 zeigt. Er hebt die Karte hoch und sieht eine Eins. Das Unwahrscheinliche tritt tatsächlich ein und als Luke eine Stunde später wieder in seiner Wohnung steht, fühlt er sich ungemein erleichtert.
Von nun an würfelt Luke zu großen und kleinen Entscheidungen in allen Lebenslagen. Er gibt dem Würfel immer verschiedene Möglichkeiten vor und folgt gehorsam seinem Diktat. So würfelt er sein Verhalten gegenüber seinen Patienten, welche Aktien er kauft oder verkauft, in welcher Stellung er mit seiner Frau schläft, ob er seiner Sekretärin kündigt, welche Persönlichkeit er annimmt und so fort.
Dabei stellt er fest, wie spannend plötzlich sein Leben wieder ist, wie befreiend das Würfeln ist und dass sein Geist nun wieder explodiert vor Ideen.
Das Buch ist jedem zu empfehlen der die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele mit Humor gezeigt bekommen will. Nichts ist Luke heilig. Es geht um Skurrilität, um das Negieren aller hergebrachten Werte, das Überbordwerfen der traditionellen Ordnung, provokativen Sex, Liebe, Hass und Mord.
Nach und nach kommt er zu dem Schluss, dass jeder Mensch unendlich viele Persönlichkeiten in sich hat, die nur durch „das Würfeln“ an die Oberfläche gelangen. Daraus entwickelt Luke Rhinehart die Würfeltherapie (siehe Abschnitt: Psychologie), mit der jeder die Chance bekommt, der Langeweile zu entkommen und Dinge auszuprobieren, die für ihn undenkbar gewesen wären.
Luke lebt: Luke Rhinehart ist keine Romanfigur, es gibt ihn wirklich. Wie in seinem Buch ist er auch in Wirklichkeit ein Psychiater der in New York lebt und seine Erkenntnisse über den Würfel in seine Arbeit einbaut. Inwieweit jedoch „Der Würfler“ ein autobiografisches Werk ist bleibt ein Geheimnis.
Auszüge aus dem Buch: Der Würfler:
….der Würfel, Kobold des Perversen, befahl mir, etwa alle 10 Minuten in eine andere Rolle zu schlüpfen, wobei die folgenden 6 Rollen zu absolvieren waren: Jesus, biederer Würfler, zügelloser Sexomane, stummer Debiler, geschwätziger Künstler und agitierender Linksextremer. Meine Vorschläge hatte ich unter dem Einfluss von Marihuana zu Papier gebracht, das ich eine halbe Stunde lang geraucht hatte; der Genuss von Marihuana wiederum war ein Vorschlag, den ich unter Alkoholeinfluss gemacht hatte; Alkohol hatte ich wiederum getrunken, weil der Würfel – und so weiter und so fort [S 189]
….irgendwann begann ich den Würfel auf meine Patienten loszulassen. Ich begann den Patienten bestimmte Aufgaben zu stellen, ähnlich wie ein Sportlehrer seinen Schützlingen gymnastische Übungen vorschrieb. Beispielsweise: Scheues Mädchen muss sich mit liebeserfahrenem Künstler treffen; rauflustiger Bulle muss einen Fliegengewichtler anstänkern und im darauffolgenden Raufhandel den Kürzeren ziehen; lernwütiger Büffler muss sich 5 Filme ansehen, 2 mal in der Woche tanzen gehen u.s.w. Natürlich bedeuteten die meisten dieser erteilten Aufträge eine Verletzung des ärztlichen Berufskodex.
… Ich benutzte den Würfel dazu, meine Gefühle und Meinungen dem Patienten gegenüber zum Ausdruck zu bringen, was gegen die Kardinalregel der Psychotherapie verstößt: Ich richtete und rechtete. Gott war das schön. Vier Jahre lang war ich ein wahrer Heiliger gewesen, hatte jede menschliche Narretei, Grausamkeit und Unsinnigkeit verstanden, vergeben und akzeptiert. Dabei hatte ich all meine natürlichen Impulse geknebelt und abgetötet. Wie groß war die Freude, da der Würfel mir erlaubte, meine Patienten Sadisten, Idioten, Scheißkerle, Schlampen, Dummköpfe und Kretins zu nennen [67]
…..es mochte wohl hin und wieder vorkommen, dass mir einer der Würfelbefehle gegen den Strich ging, doch wie ein gut geölter Mechanismus setzte ich mich in Bewegung und tat, was mir der Würfel auftrug. Er schickte mich in die verschiedensten und entlegensten Gegenden und entlegensten Lokale, er wählte dort aus den Gästen jene aus, mit denen ich mich unterhalten musste. Er sagte mir, in welcher Rolle ich aufzutreten hatte. In Lokalen, Restaurants, Kaufhäusern, im Taxi, im Theater, überall dort wo mich niemand kannte, war ich ein komplett anderer Mensch. Ich ging in Konzerte, zu Sportveranstaltungen, Sit-ins, Empfängen. Alles Dinge, die ich nie getan oder unternommen hätte, und der Würfel warf mich von einer Situation in die andere. Selten war ich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen ein und derselbe. Neue Schauplätze und neue Rollen ließen mich weitaus schärfer erkennen, wie andere Menschen auf mich reagierten. Ist man man selbst, lässt man sich von den Neigungen seiner inneren Natur treiben, tritt man stets mit denselben Masken auf, dann wird man blind für die feinen Nuancen im Verhalten der anderen. Erst wenn dieser andere aus seinen konventionellen Bahnen ausbricht, wird man hellwach. [82]
… Der Würfel rollte und rollte, rollte mich von einer Rolle in die andere und hinein in ein schizophrenes Kaleidoskop von Kurzszenen. Das Leben wurde zu einer Reihe von filmischen Einblendungen, ohne Drehbuch, ohne Regisseur und mit Schauspielern, die weder ihre Rolle wussten noch den Text den sie zu sprechen hatten. Aus verständlichen Gründen spielte ich noch nicht vor Leuten die mich kannten. Ich kann mich nur undeutlich daran erinnern, was ich in jenen Tagen tat und sagte; klarer als Gespräche habe ich noch einige Bilder vor mir: Ich als Oboko, der Meister den Zen, die meiste Zeit stumm und vor mich hinlächelnd dasitzend, während ein junger Student mich über Psychoanalyse und den Sinn des Lebens auszufragen versucht; ich als Siebenjähriger auf einem Fahrrad durch den Central Park fahrend, am Teich die Enten beobachtend, im Türkensitz einem alten Neger beim Fischen zusehend, Kaugummi kauend, einen davon zum Ballon aufblasend, einem anderen Buben nachfahrend, mit dem Rad stürzend, mir das Knie blutig schlagend, weinend und das zur nicht geringen Bestürzung der Vorübergehenden – da weinende Kinder mit 90 kg Lebendgewicht doch immerhin eine Seltenheit darstellen [186]
